Mein Dia und ich

Seit etwas mehr als 16 Jahren habe ich nun meinen süßen Begleiter. Unsere “Beziehung” war nicht immer einfach, aber welche Beziehung ist das schon. Im Oktober 2000 wurden meine Eltern und ich ziemlich überrascht von der Diabetes-Diagnose. Anfangs mussten wir uns erstmal an alles gewöhnen und lernen damit umzugehen. Nach einer Weile klappte dann aber alles recht gut und man bekam eine gewisse Routine in allem.

Mit der Pubertät kamen dann aber so die ersten Probleme. Ich fing an alles allein machen zu wollen und keine Lust auf den Diabetes zu haben. Mein Wunsch war es, einfach genau so wie alle anderen Kinder in meinem Alter zu sein. Nicht dauernd über den Blutzucker und das Essen nachdenken, berechnen, an messen und spritzen denken und noch einiges mehr habe ich mir manches Mal sehnlichst gewünscht. Mir fiel es einfach schwer in dieser Zeit den Diabetes zu akzeptieren und mich gut darum zu kümmern. Damals konnte ich mir das allerdings nicht wirklich eingestehen. Inzwischen habe ich mich aber mit meinem Begleiter wieder angenähert. Ich habe gemerkt wie wichtig es ist sich ordentlich um den Diabetes zu kümmern und das es nicht so weiter gehen konnte wie zu der Zeit. Schließlich möchte ich später einmal eine Familie gründen, fit sein und so gesund wie nur möglich bleiben. Kümmert man sich aber nicht um den Blutzucker wird das alles ein wenig erschwert. Deshalb habe ich mich aufgerafft, mit meinem Diabetologen über all die Probleme gesprochen und gemeinsam mit ihm überlegt, was wir – und vor allem ich ändern kann, damit alles wieder besser wird.  Wir haben einen plan gemacht, öfter Termine abgemacht und so kam langsam wieder eine bessere Struktur in meine Therapie.

Auch jetzt läuft nicht immer alles in geraden Bahnen. Aber bei wem ist das schon so?

Seit zweieinhalb Jahren habe ich nun eine neue Ärztin, die wirklich wundervoll ist, immer ein offenes Ohr hat und sich sehr viel Mühe gibt. Vor zwei Jahren haben wir begonnen mir eine Insulinpumpe zu beantragen und seit knapp einem Jahr habe ich eine zur Probe. Die Geschichte zur Pumpe ist ein wenig länger, weshalb ich ein anderes Mal darüber schreiben werde. Im März dieses Jahres habe ich die Medtronic 640g inklusive Elite Sensor bekommen und ich muss sagen, dass das Diabetesmanagement seitdem schon fast Spaß macht. Seitdem ich sowohl die Pumpe als auch das CGM habe, fällt es mir noch viel leichter mich um alles zu kümmern und rechtzeitig auf Unter- und Überzuckerungen zu reagieren.

 

Aber auch meine Familie und meine bessere Hälfte haben einiges dazu beigetragen, dass ich meinen Diabetes inzwischen viel mehr akzeptiere und mich besser um ihn kümmere. Zu Anfang dieser schweren Phase hieß es immer von meinen Eltern: “Das kann doch nicht so schwer sein und wie kann man nur das Messen und Spritzen vergessen? Das muss doch schon ins Blut übergegangen sein nach so langer Zeit!” Damals war das nicht sehr hilfreich und hat denke ich eher dazu beigetragen, dass ich noch ein wenig mehr wütend auf den Diabetes war. Irgendwann haben sie das aber wohl gemerkt und mich relativ in Ruhe gelassen. Es wurde nur ab und an gefragt wie denn alles so läuft, ob alles okay ist und was der Arzt so sagt. Ich denke dass das für die beiden nicht leicht war, aber es hat mir sehr geholfen, denn es hat mir ein wenig den Druck genommen, den ich vorher immer gespürt habe. Auch mein Freund hat mich nie gedrängt, sondern nur ab und an mal ans Messen erinnert und das war eine große Hilfe um wieder mehr Kontrolle über den Blutzucker zu bekommen. Vor allem hat er es nie vorwurfsvoll gesagt oder so, als wenn er genervt wäre weil ich nicht dran gedacht habe, sondern es kam einfach freundlich und liebevoll. Einfach kleine Erinnerungen, die im Nachhinein viel bewirkt haben.

Vor ca. 6 Monaten habe ich mich dann in einer Facebookgruppe für Diabetiker angemeldet, über die ich ein paar ganz liebe Menschen kennenlernen durfte. Mit einigen von ihnen bin ich inzwischen in einer WhatsApp-Gruppe und wir schreiben regelmäßig miteinander. Es geht dabei nicht ausschließlich um den Diabetes, sondern wir schreiben über alles was uns so beschäftigt oder bedrückt.  Auch habe ich hier vor Ort sehr nette, liebe Leute kennengelernt, die sich zum einen über WhatsApp in einer Gruppe schreiben und zum anderen sich regelmäßig zu einem “Diabetes-Stammtisch” treffen.  Es tut einfach gut sich mit Leuten austauschen zu können, die einen wirklich verstehen, denen es genauso geht wie mir und die jeden Tag mit den gleichen Problemen wie ich zu kämpfen haben. Ich bin sehr froh, sie alle gefunden zu haben.

Klar haben meine Freunde mir auch immer sehr viel Verständnis entgegengebracht wenn ich mal schlecht drauf oder gemein war, weil mein Blutzucker wieder verrückt spielte oder wenn ich einfach mal nicht ganz funktionierte. Sie haben mir immer zugehört und versucht meine Probleme zu verstehen, aber so richtig hineinversetzen konnte sich nie wirklich jemand. Das ist aber auch ganz verständlich, denn schließlich haben sie diese Krankheit selber nicht. Darum bin ich ihnen aber trotzdem unendlich dankbar für ihre Geduld mit mir, fürs Zuhören und dafür, dass sie immer versucht haben mich zu verstehen.

Ich bin sehr froh, dass ich nun wieder auf dem richtigen Weg bin. Klar sind die Werte noch nicht top und es ist noch einiges zu tun, aber ich blicke zuversichtlich in die Zukunft und weiß, dass ich es schaffen kann wenn ich nur will. Und ich will!!

Jeder von uns kann es schaffen, wenn er nur möchte. Sucht euch Leute, die in der gleichen Situation sind wie ihr und mit denen ihr darüber sprechen könnt. Das hilft wirklich sehr und es tut gut zu wissen, das da jemand ist der einem hilft wenn man Probleme hat und nicht weiter weiß.

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