Camp D 2018 – Eine eigene bunte Welt

Sei der erste, der diesen Beitrag teilt.

Was genau ist das Camp D und wer kann dort Teilnehmen?

Endlich habe ich es auch mal geschafft den Beitrag zum Camp D zu verfassen. Es ist nur gar nicht so leicht, diese wundervollen 4 Tage in Worte zu fassen. Man muss wirklich selbst dabei gewesen sein, um all das zu verstehen.
Ich bin immer noch ganz geflasht von diesem unglaublich geilen (sorry, ist aber so) Wochenende.

Fangen wir aber mal ganz von vorne an. Für alle, die nicht wissen was das Camp D ist kommt nun eine kleine Erklärung. Das Camp D ist ein Zeltlager für Typ 1 Diabetiker im Alter von 16–25 Jahren. Es wird von Novo Nordisk veranstaltet und findet alle 3–4 Jahre in Bad Segeberg statt. Es gibt einen Tag mit Workshops, einen Sporttag und viele Möglichkeiten sich mit anderen Diabetikern auszutauschen. Alle übernachten in Zelten und sind in Kleingruppen aufgeteilt. Dieses Jahr haben am Camp D ca. 450 Teilnehmer und 130 Mitarbeiter teilgenommen. Viele dieser Mitarbeiter sind Diabetologen, Diabetesberater, teils ehemalige Teilnehmer als Betreuer, die Leute die Vorträge halten, die Sportler und dann gibt es da auch noch das Orga-Team und das Sanitäter-Notarzt-Team.
Es ist einfach unglaublich, wie viele Menschen an diesem Ereignis beteiligt sind.

 „Meinst du das ist eine Klassenreise..?“

An einem Donnerstag ging es los zum Camp D. Ich bin ab dem Hamburger Hauptbahnhof mit der Bahn angereist und schon als ich aus der S-Bahn stieg und zum Bahnsteig der Regionalbahn ging, bin ich einigen Teilnehmern begegnet. Wir waren auch wirklich leicht zu erkennen, denn fast alle hatten kleine weiße Aufkleber mit Namen und Barcode auf ihrem Gepäck kleben. Auf dem Bahnsteig stand ich für einen kurzen Augenblick allein, aber schon nach kurzer Zeit trudelten dann ganz viele andere Diabetiker ein und man kam ein wenig ins Gespräch.

Hinter mir standen auf dem Bahnsteig zwei junge Frauen, die nicht zu unserer Gruppe gehörten, aber ein interessantes Gespräch über uns führten. Die eine meinte zur anderen, ob wir eine Klassenfahrt wären. Die andere erwiderte dann, dass wir dafür vielleicht ein paar zu viel Menschen wären und außerdem hätten wir alle so „komische weiße Dinger“ am Arm. Sie fingen dann an zu spekulieren, was diese weißen Teile wären. Erst hatte ich überlegt sie nett aufzuklären, aber dann war es einfach viel lustiger ihren Spekulationen zu lauschen.

Als dann die Bahn kam, stiegen alle ein und gefühlt waren die meisten Menschen im Zug Leute, die zum Camp D wollten. Fühlte ich mich am Anfang in der S-Bahn noch etwas allein mit meinem Diabetes, war es spätestens jetzt im Regionalzug damit vorbei. Überall wurde sich unterhalten, kennengelernt oder es piepte irgendein Gerät. In Bad Oldesloe angekommen ging es mit dem Reisebus weiter zum Zeltplatz. Am Bahnhof wurden wir erstmal etwas schräg angeguckt und einer dachte wir wären ein Schulausflug. Im Bus lernte man wieder neue Leute kennen und kam schon ein wenig ins Gespräch. Ich saß zum Beispiel hinter der lieben Mae von MaeDiabetes, mit der ich schon am Vorabend ein wenig per Instagram geschrieben hatte und wir haben uns ein wenig während der Busfahrt unterhalten. Zu meiner Schande muss ich aber gestehen, dass mir erst beim Aussteigen am Zeltplatz aufgefallen ist, wer sie ist (entschuldige bitte Mae – ich habe mich aber sehr gefreut, dich kennenzulernen).

Diese kleinen Hinweise waren als Wegweiser am Bahnhof in Bad Oldesloe aufgesprüht.

Als wir dann am Zeltplatz ankamen, mussten wir uns anmelden und bekamen dann Beutel mit unseren Shirts, Ausweisen auf denen Name, Zeltnummer und Notfallnummern standen, Trinkflaschen und noch ein paar Informationen. Die Betreuer meiner Zeltgruppe hatte ich schon entdeckt, als ich noch in der Schlange an der Anmeldung stand. Sie hatten ein Pappschild auf dem unsere Namen und ein großes „Moin“ standen. Das Moin fiel mir direkt auf und ich dachte nur – „Wie cool ist das denn! Bei denen wäre ich gern.“ Als ich dann meinen Namen entdeckte, war ich natürlich sofort begeistert.

Die tollste Kleingruppe der Welt

Die beste Gruppe, die man sich nur wünschen kann!

Nach der Anmeldung ging es zum Zelt. Bis auf Divya kannte ich niemanden aus unserer Kleingruppe. Das war aber überhaupt nicht schlimm, denn zu meiner Truppe gehörten sieben andere, ganz liebe Menschen. Wir haben uns noch vor der ersten Veranstaltung und dem Abendessen mit unseren Betreuern zusammengesetzt und kennengelernt. Unsere Betreuer waren beides Diabetologen, die für die Zeit des Camp D extra ihre Praxis geschlossen hatten. Vier der anderen kamen genau wie ich aus Hamburg. Wir waren alle in einem recht ähnlichen Alter und haben uns auf Anhieb super verstanden. Eine bessere Gruppe hätte man sich fast nicht wünschen können. Beim Essen und am Abend saßen wir meist gemeinsam irgendwo, haben Karten gespielt, der Musik gelauscht oder haben einfach geredet und hatten immer viel zu lachen. Schon nach kurzer Zeit hatte ich so ein Gefühl, als würde man sich viel länger kennen. Ich habe alle sieben in mein Herz geschlossen und hoffe, dass wir uns vielleicht ganz bald mal alle wieder sehen.

Workshoptag

Am Workshoptag, konnte man Workshops zu den unterschiedlichsten Themen besuchen. Es gab so viele tolle Themen, das ich am liebsten zu jedem Workshop gegangen wäre. Gemeinsam mit Divya und Jan aus meiner Zeltgruppe bin ich zu den Veranstaltungen „Loggen, bloggen, posten – …“ , „Zukunftsplanung: mein Job, mein Auto, mein Diabetes“ und „Diabulimie – wenn schlank sein zur Gefahr wird“ gegangen. Alle drei waren wirklich interessant und man konnte so einiges für sich mitnehmen. Vor dem Abendessen gab es dann noch einen Workshop zum Thema „Schwangerschaft und Diabetes“ zu dem fast alle Teilnehmerinnen gegangen sind. Dieser Workshop war total interessant und hat einige Fragen geklärt, die man sich vielleicht schon mal gestellt hat. Vor allem, weil Kathi von Diabeteswelt und Kickboxerin Anja Renfordt von ihren eigenen Erfahrungen erzählt haben.

Feldhockey, Kickboxen und co.

Der Samstag war ganz dem Sport gewidmet. Es gab unglaublich viele Angebote. Von einer Radtour über ein Fußballturnier, Yoga, Stand Up Paddling, Volleyball und Zorbing war alles dabei. Ich entschied mich für Feldhockey am Vormittag und Kickboxen am Nachmittag. Der Hockeykurs wurde von Timur Oruz geleitet, der extra dafür angereist kam. Ich muss wirklich sagen, dass ich vorher nicht sicher war wie ich Hockey finden soll, aber im Nachhinein kann ich sagen, dass das eine richtig tolle Sportart ist. Mir hat es unglaublich viel Spaß gemacht und ich glaube allen anderen Kursteilnehmern ging es genau so.

Beim Kickboxen am Nachmittag war schon das WarmUp richtig fordernd und leider musste ich dann wegen einer Hypo vorzeitig den Kurs abbrechen. Spaß hat es aber trotzdem gemacht und ich bin schon am überlegen, ob ich ab Herbst beim Unisport zum Kickboxen gehe.

Gib Watt du kannst !

Während des ganzen Camp D gab es die Aktion Gib Watt du kannst, bei der es darum ging, gemeinsam für 62 Stunden einen Ballon zum Leuchten zu bringen. Der Strom für den Ballon wurde mit Fahrrädern erzeugt, die in einem Zelt unter dem Ballon standen. Jede Kleingruppe musste gemeinsam für eine Stunde auf den Rädern fahren. Unsere Gruppe war am Freitagmittag zwischen den Workshops dran. Durch tolle Musik und Anfeuerungen von anderen Leuten, ging diese Stunde aber schneller rum als gedacht.

Der Ballon leuchtete durchgehend – es wurde Tag und Nacht geradelt

Colour Your Life

Das ganze Camp D stand unter dem Motto Colour Your Life. Bunt war es wirklich, denn auch wenn wir alle die gleiche Krankheit hatten, so waren wir doch ganz verschieden. Man hat neue Menschen kennengelernt, neue Freunde gefunden, andere Sichtweisen gehört und jeder geht mit bestimmten Situationen und dem Diabetes ganz unterschiedlich um. Am Samstagabend wurde es dann aber nochmal richtig bunt. Es gab eine Holi-Powder Aktion, bei der wir alle mit weißen T-Shirts und Farbbeuteln bewaffnet in einem Ring standen und auf Kommando die Farben hochwarfen. Dabei sind ganz viele tolle Videos und Fotos entstanden.

Wertechaos …

Das Camp D war super, die Leute auch, aber meine Werte wollten nicht so ganz mitspielen. Anfangs waren sie leicht erhöht, was ich aber der Aufregung und meinem Heuschnupfen zuschreibe. Freitagabend ging es dann aber los… die erste Hypo kam ganz plötzlich mit 27 und wollte trotz reichlich Traubenzucker und Müsliriegel nicht verschwinden. Da unsere Betreuer gerade nicht in der Nähe waren, ging Divya mit mir zu unseren Sanis. Dort durfte ich dann erstmal eine Weile sitzen, 3 große Becher Cola, Müsliriegel, Joghurt und co zu mir nehmen. Als der Wert wieder okay war (bei 170 durfte ich gehen), wurde ich entlassen. Anschließend schickten wir unserer Betreuerin die Wertekurve und gingen zu den anderen zurück. Am Samstag fühlte ich mich den ganzen Morgen unterzuckert, hatte aber eher normale Werte. In den Hockeykurs bin ich mit 160 gestartet, aber zum Ende hin schoss der Wert plötzlich runter auf 42 und ich musste mich an den Rand setzen. Traubenzucker und Quetschies waren hier die Rettung. Danach blieben die Werte ganz okay, aber auch nur, weil unsere liebste Betreuerin Aja Apfelschorle verordnet und Divya diese geholt hatte. Trotz guter Werte vorm Kickboxen schoss auch da der Wert so schnell von guten 130 auf nur 37 runter, dass mein CGM gar nicht hinterherkam. Zum Glück saß meine komplette Truppe in der Nähe und Aja stand beim Workshop direkt neben mir. Auch diese Hypo habe ich selbst in den Griff bekommen. Abends folgte dann noch eine, die aber auch schnell wieder wegging. Kurz vorm Schlafengehen piepte die Pumpe aber wieder, zeigte nur 50 an, ich fühlte mich plötzlich aber viel niedriger und unsere Betreuer waren schon am Schlafen. Da wir direkt neben den Sanis standen, besuchten wir sie also wieder. Da ich nach den ganzen Hypos und dem Süßkram, den ich über den Tag essen musste, wirklich nichts mehr in mich hineinbekam, wurde ich auf eine Liege gelegt und bekam Glukose intravenös. Das ist etwas, das ich mir lieber erspart hätte. Kein wirklich schönes Gefühl… erst recht nicht, wenn das ganze zwei Mal sein muss. Nach fast einer Stunde durfte ich dann endlich mit einem Wert von 180 gehen. Mit Divya ging es dann nur schnell Zähne putzen und ab zum Zelt. Kaum waren wir dort angekommen, war der Wert schon wieder auf 34 abgestürzt…. also nochmal zu den Sanis. Dort gab es dann noch eine Runde Jubin und am Ende war der Wert dann stabil und wir konnten schlafen.

Ihr fragt euch sicher, warum ich euch das alles erzähle, oder ? Ich erzähle es euch, um euch damit zu sagen, dass man sich nicht unterkriegen lassen soll. Trotz allem habe ich das Camp D sehr genossen und hatte eine wirklich tolle Zeit. Lasst euch von sowas nicht unterkriegen.
Ich möchte mich aber auch bei meiner tollen Gruppe bedanken.Jan, Hendrik, Jasmin, Antonia, Aja, Morten und vor allem Divya waren einfach unglaublich hilfsbereit. Ich brauchte in der Hypo nicht selbst zum Kühlschrank oder Getränkestand rennen und wenn ich nicht weiterwusste, weil mein Gehirn sich gerade wie Matsch anfühlte, war immer jemand für mich da. Ihr wart so klasse und ohne euch, wäre manche Situation viel schwerer gewesen. Danke, dass ihr für mich da wart. Ihr seid super! Und danke Divya, dass du mit mir lang wach geblieben bist und die eine Nacht mit bei den Sanis gesessen hast. Der Annika von den Sanis und dem Ärzteteam natürlich auch ein großes Danke, denn schließlich haben die eine super Arbeit geleistet und nicht nur mir, sondern auch noch einigen anderen an diesem Wochenende geholfen.

Ein paar abschließende Worte…

Für mich war dieses Wochenende etwas ganz Besonderes. Ich durfte Teil einer riesigen Gemeinschaft sein und war mal nicht allein mit meinem Diabetes. Ich musste niemandem erklären, warum ich gerade Messe, esse, nicht klar denken kann oder ähnliches. Wir alle machen das gleiche durch und verstehen wie die anderen sich oftmals fühlen. Jeder der Teilnehmer isteinzigartig und trotzdem haben wir wundervolle vier Tage mit Sport, Gesprächen, Musik und mehr verbracht. Am Abend wurde in einem Zelt immer von einem Musiker Musik gemacht. Er saß dort mit seiner Gitarre, um ihn herum unglaublich viele Menschen und alle haben zusammen gesungen. So etwas gibt einem noch mehr das Gefühl von Gemeinschaft und Zusammenhalt. Ein Danke an Novo Nordisk für diese unvergesslichen vier Tage und dafür, dass ihr uns Diabetikern Zeit und Raum gegeben habt, damit wir zusammenkommen und so sein können, wie wir sind. Vermutlich werde ich sowas nicht noch einmal erleben und deshalb bin ich sehr froh, dass ich dabei sein konnte.

Sei der erste, der diesen Beitrag teilt.

One thought on “Camp D 2018 – Eine eigene bunte Welt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.