„Also ich könnte das ja nicht…!“

Jetzt haben wir schon Sonntag und damit den letzten Tag der Diabetes Blogwoche. Wie schnell die Zeit doch vergeht. Mir war es eine Freude jeden Tag für euch zu schreiben. Jedoch wäre mir das auf Dauer dann doch etwas zu viel. Ich werde mir aber die größte Mühe geben, dass hier mal wieder öfter was kommt. Kommen wir aber wieder zurück zur Blogwoche und dem heutigen Thema. 

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Bei „Hast du das jetzt wirklich gesagt?“ geht es um Äußerungen anderer, die unüberlegt, verletzend oder einfach nur unfreundlich waren und was das in einem ausgelöst hat. 

Als Kind wurde ich bei einer Hypo schnell recht emotional und fing dadurch auch gern mal an zu weinen oder etwas wütend zu werden. Relativ oft habe ich in dem betreffenden Moment gar nicht bemerkt, dass ich eine Hypo habe oder auf dem Weg in eine bin. Klassenkameraden und sogar auch Freunde haben sich dann gerne mal lustig über dieses Verhalten gemacht, mich Heulsuse genannt oder haben Diskussionen angefangen, die es auch nicht besser gemacht haben. Anfangs habe ich dieses Verhalten gar nicht so sehr mit den Hypos verbunden, später aber wurde es mir bewusst und wenn ich dann nach einer Heulattacke oder einem Streit gesagt habe, dass das wohl an meinem Wert gelegen haben muss, dann wurde mir immer vorgeworfen, dass das doch nur eine Ausrede sei. Auch wenn ich es nach außen vielleicht nicht gezeigt habe, hat mich dieses Verhalten doch sehr verletzt. Vor allem bei Freunden. Heute habe ich dieses Problem eher selten, weil viele meiner Freunde (vor allem die, die neu dazugekommen sind) sich mit mir unterhalten haben um zu verstehen, was in mir und meinem Körper vorgeht, wenn ich eine Unter- oder Überzuckerung habe. Sie haben „gelernt“ weshalb ich mich manchmal komisch verhalte, ohne Grund schlechte Laune habe und verstehen ein wenig, wie es mir in solchen Momenten geht. Genauso wissen sie, dass sie bestimmte Aussagen oder bestimmtes Verhalten dann nicht zu persönlich nehmen dürfen. Sie sind wirklich sehr verständnisvoll und darüber bin ich sehr froh.

„Freunde sind die, die da sind, wenn andere gehen.“

„Wie kann man nur das Messen und Spritzen vergessen? Das muss doch schon in Fleisch und Blut übergegangen sein nach all den Jahren!“ 

Das waren Aussagen meiner Eltern, die ich mir in der Pubertät regelmäßig anhören durfte. Klar waren sie damals nur in Sorge und das verstehe ich auch, aber ich war zu der Zeit mit meinen Gedanken irgendwo anders. Ich finde selbst nicht gut, dass ich oft vergessen habe zu messen und zu spritzen. Es war wirklich wie ein vergessen. Morgens nahm ich mir ganz fest vor alles nach Plan zu machen und an alles zu denken, doch am Abend waren wieder nur 1-3 Werte im Gerät und diese waren dann auch nicht wirklich gut. Ich habe mich selbst für dieses Verhalten geschämt, aber sich dann noch anhören zu müssen, dass man sowas ja gar nicht vergessen könne und dass das alles unverantwortlich ist, tat schon weh. Schließlich war das einem selbst ja klar, aber irgendwie hat man es nicht besser hinbekommen. Heute weiß ich, dass sie es nur gut meinten. Damals verstand ich es aber nicht und fühlte mich oft unverstanden.

Heute kommen dann eher mal so Aussagen wie „Aber wir essen doch jetzt eh.“ oder „Das sind durch die Hypos aber auch jedes Mal Extrakalorien, die man da zu sich nehmen muss.“ Die erste ignoriere ich dann meist einfach. Was soll ich denn auch machen… habe ich eine Hypo vor dem Essen, aber es gibt z.B. Kartoffeln, mit Gemüse und Co., dann brauche ich halt trotzdem etwas Traubenzucker. So schnell, dass sie den sinkenden Blutzucker auffangen können, wirken Kartoffeln bei mir leider nicht. Da muss dann halt einfach mal der Traubenzucker her oder ein Glas Saft. 

Welcher Diabetiker isst schon gern und freiwillig Traubenzucker…

Zweitere Aussage tut dann aber schon manchmal etwas weh. Ich weiß, dass ich etwas zu viel Gewicht habe und ich weiß auch, dass Traubenzucker, Saft und Co. nicht Kalorienfrei sind. Aber was soll ich machen? Wenn ich eine Hypo habe, dann muss sowas halt mal sein. Eine andere Option gibt es ja nun mal nicht. Es ist ja nicht so, dass ich dauernd Hypos habe und nur am Essen oder trinken bin. Wäre das der Fall, dann könnte ich die Aussage vielleicht ein wenig verstehen (obwohl man sie dann auch anders formulieren könnte) und dann müsste man an der Therapie etwas ändern. Aber wie schon gesagt, habe ich ja nicht jeden Tag mehrere Hypos. Ich glaube aber, dass meinem Gegenüber in der Situation nicht bewusst ist, wie unangebracht und vielleicht auch verletzend diese Aussage gerade ist. 

„Also ich könnte mich ja nicht jeden Tag spritzen und Blutzucker messen..“

Ich könnte noch einige Sätze und Erlebnisse mehr mit euch teilen, aber dann würde der Beitrag viel zu lang werden. Einen letzten Satz habe ich aber noch für euch. Das ist der, der mich richtig auf die Palme bringen kann, wenn ich mal keinen guten Tag habe. Und zwar ist es der Satz „Ich könnte das ja nicht mit dem ständigen Spritzen, Piksen, Messen, Essen berechnen usw.“ Diesen Satz finde ich einfach schlimm. Als ob ich als Diabetikerin eine Wahl hätte. Entweder ich gebe mir regelmäßig mein Insulin und achte ein wenig darauf was ich zu mir nehme oder ich lange ganz schnell im Krankenhaus. Einmal habe ich mich getraut und habe die Person dann gefragt, was sie denn machen würde, wenn sie die Wahl hätte zwischen spritzen und dadurch gut Leben oder kranker werden und recht bald sterben. Eine Antwort habe ich nicht bekommen. Nur einen leicht verstörten Blick. Dabei blieb es dann auch und ich habe das Thema gewechselt. Das war einfach besser. Klar gibt es auch unter uns Diabetikern mit Sicherheit Menschen, die Angst vor Nadeln haben. Aber selbst die reißen sich zusammen und geben sich ihr Insulin. Was sollen sie auch anderes tun? Sie haben keine andere Wahl. 

Was für Erlebnisse und Begegnungen hattet ihr schon, die euch vielleicht sehr nahe gegangen sind oder euch aufgeregt haben? Erzählt gerne davon. Ich würde mich sehr freuen.

Jetzt noch ein herzliches Dankeschön an das Team der Diabetes Blogwoche. Einfach klasse, dass ihr euch so viel Mühe gegeben und das alles auf die Beine gestellt habt. Es ist ja nicht gerade wenig Arbeit. Auch danke, dass jeder die Möglichkeit bekommt teilzunehmen. Mir war es eine Freude für diese Woche Beiträge zu schreiben. Ihr macht das klasse! Ich freue mich schon aufs nächste Mal.

Habt alle noch einen schönen Sonntag und startet morgen gut in die neue Woche!

Eure Toni 

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