Abgabe-Tag

oder auch Heute darfst du dich mal so fühlen, wie ich mich jeden Tag fühle.

Heute geht es darum, an wen man seinen Diabetes gerne mal für einen Tag abgeben würde und warum.
Bei mir gibt es nicht die eine, bestimmte Person, an die ich den Diabetes abgeben würde. Ich würde ihn gerne mal für einen Tag an all die Menschen weitergeben, die schonmal so Sachen gesagt haben wie „Ach da muss man halt nur ans Spritzen denken und dann geht das schon.“ , „Traubenzucker ist doch lecker! Stell dich nicht so an.“ , „Ich könnte das nicht mich jeden Tag zu spritzen und zu piksen.“, usw.
Denn diesen Menschen würde ich gerne zeigen, dass es mit ein wenig messen und spritzen nicht getan ist. Klar habe ich inzwischen eine Pumpe und ein CGM, muss den Katheter nur alle 2-3 Tage auswechseln und nur zum Kalibrieren messen. Trotzdem ist es damit ja nicht getan.

So eine Hyperglykämie (Überzuckerung) ist nicht wirklich schön …

An was muss ich wohl alles denken?

KEs berechnen, vor und nach dem Sport die Basalte verändern, immer an all mein Zubehör denken, denn ohne Traubenzucker unterwegs eine Hypo zu haben ist schon doof.
Nervig ist auch das manche einfach nicht verstehen wollen, dass Traubenzucker nach fast 18 Jahren wirklich nicht mehr lecker ist … die müssten mal einen Tag voller Hypos erleben. Spätestens dann wissen sie, wie doof dieses staubige süße Zeug ist. Klar kann ich in einer Hypo auch andere Dinge zu mir nehmen, aber für unterwegs ist Traubenzucker nun mal praktisch und bei mir wirkt er leider auch am schnellsten.

Es ist gar nicht so einfach, immer an alles zu denken.

“Ich könnte mich nicht dauernd spritzen und meinen Blutzucker messen…”

Diese Aussage ist eine, die ich oft ignoriere, aber ich muss darüber jetzt mal etwas loswerden. Klar gibt es Menschen die Angst vor Nadeln oder spritzen haben und sind wir mal ehrlich, wer findet es schon schön sich dauernd piksen zu müssen. Wenn man aber nun keine andere Wahl hat und ohne Spritzen nicht leben kann, dann würde sich glaube ich jeder Mensch anfangen zu spritzen. Oder liege ich da falsch?

Wem würde ich meinen Diabetes sonst noch geben?

Sieht man mal von diesen Aussagen ab, würde ich meinen Diabetes eigentlich am liebsten an jeden aus meinem Familien- und Freundeskreis einmal abgeben. Nach einem Tag voller Höhen und Tiefen würden sie alle einen vielleicht viel besser verstehen. Sie wüssten, warum man manchmal ganz plötzlich extrem launisch, schlecht drauf oder weinerlich ist. Warum man manchmal abwesend und schlapp wirkt, wie es sich anfühlt eine Unter- oder Überzuckerung zu haben, welche Nachwirkungen so eine Unterzuckerung auch noch mit sich bringt usw. Sie könnten einfach viel besser nachvollziehen wie man sich so manches Mal fühlt und warum man so ist, wie man ist.
Vielleicht hätten manche von ihnen, nach so einem Tag mit Diabetes, in einigen Situationen auch weniger Angst bzw. Sorgen. Sie würden merken, dass nicht jeder Unter- oder Überzuckern gleich gefährlich ist. Vielleicht könnten sie dann auch so manche Situation einfach besser einschätzen. Ab wann wirklich Hilfe nötig ist und wann man es noch allein schafft und nur Ruhe braucht.

Das, was man auf der Kurve sieht, fühlt sich gar nicht schön an und ist unglaublich anstrengend für den Körper. Zum Glück kommt so ein Chaos eher selten vor.

Mehr als einen Tag würde ich ihnen allen das aber nicht antun wollen, denn wem wünscht man schon so eine Diagnose? Natürlich niemandem!

Ich selber kann ganz gut mit meinem Diabetes leben, aber natürlich habe auch ich mal schlechte Tage und es läuft nicht immer alles nach Plan. Trotzdem liebe ich mein Leben und ich bin froh über all die Menschen, die mich unterstützen, die zu mir stehen und die ich durch den Diabetes kennenlernen durfte.

diabetes-blog-woche

 

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