“Abenteuer” Notaufnahme

Heute möchte ich euch von dem “Abenteuer” erzählen, das ich letzte Woche erlebt habe. Zum Nachmachen rate ich allerdings keinesfalls.

Ich weiß gar nicht wo genau ich anfangen soll, denn die Geschichte ist ein wenig länger. Alles begann damit, dass ich in der Nacht von Sonntag auf Montag wohl im Schlaf das Reservoir meiner Insulinpumpe ausgebaut hatte. Wie genau das passieren konnte weiß ich ehrlich gesagt nicht und ich erinnere mich auch nicht daran. Natürlich hatte ich, als Folge dieses Ausbaus, am Morgen einen sehr hohen Blutzucker und auch ein paar Blutketone. Das das Reservoir fehlt, ist mir allerdings erst beim Arzt aufgefallen. Dort war ich, weil ich noch einen letzten Tag meiner Auffrischungsschulung hatte. Dadurch war ich aber auch gut betreut und wir haben mit einem neuen Reservoir und Korrekturen alles schnell in den Griff bekommen.

Wenn der Blutzucker einfach nicht richtig sinken mag…

Und es kommt oft anders als man denkt…

Bis zum Nachmittag sank der Wert sogar wieder auf unter 200 mg/dl und ich war guter Dinge. Leider hatte ich diese Rechnung ohne meinen Körper gemacht. Der hatte wohl keine Lust auf einen entspannten Abend ließ den Blutzucker ohne Grund wieder auf über 400 mg/dl hochsausen. Nach mehrmaligem Katheterwechsel, diversen Korrekturen per Pumpe und sogar per Spritze, wollte der Wert einfach nicht richtig sinken. Er sank immer nur ein ganz klein wenig und stieg dann direkt wieder an. Als dann noch Bauchschmerzen, Kopfschmerzen und Übelkeit dazukamen, wurde es meiner einen Mitbewohnerin zu bunt und wir beschlossen in die Notaufnahme zu fahren.

Ab in die Notaufnahme

Dort angekommen mussten wir zum Glück auch nicht lange warten. Schnell wurde ich darüber ausgefragt, was passiert sei und wie es mir gehen würde. Anschließend kam eine Ärztin, die aber leider nicht wirklich bescheid wusste. Ich versuchte ihr dann das “Problem” zu erklären. Sie beschloss dann den diensthabenden Arzt auf der Intensivstation um Hilfe zu fragen. Währenddessen wurden die Blutgase und der Blutdruck kontrolliert, mehr aber auch nicht. Keine Kontrolle der Ketone oder ähnliches. Als die Ärztin dann wieder da war verkündete sie mir, dass ich meine Pumpe ablegen solle und alles per Pen mit Actrapid geregelt werden würde. Ich versuchte ihr zu erklären, dass das keine gute Idee sei, aber sie meinte dass der Arzt von der Intensiv wüsste was er rät und ich deshalb darauf hören soll. Da es mir wirklich so gar nicht gut ging, wollte und konnte ich nicht wiedersprechen und machte das, was mir “befohlen” wurde. Also legte ich die Pumpe ab und es wurde anschließend alle paar Stunden der Blutzucker gemessen und regelmäßig mit wenigen Einheiten Actrapid korrigiert. Was das zur Folge hatte, brauche ich euch glaube ich nicht so genau erklären, denn das können sich die Meisten bestimmt denken. Als ich dann noch am Morgen ohne Insulingabe frühstücken sollte, fragte ich mich ob ich im falschen Film sei.

So schnell kann es gehen, aber ich lass mich nicht unterkriegen denn: “I’m greater than my highs and lows!”

Zum Glück wurde ich nach dem Frühstück in das benachbarte zweite Krankenhaus verlegt, denn dort kennt man sich besser mit dem Diabetes aus. In deren Aufnahme angekommen schilderte ich, was seit dem letzten Abend alles passiert war und man konnte es nicht wirklich glauben. Sofort wurden wieder die Blutgase kontrolliert und diesmal wurden auch der Urin auf Ketone untersucht. Und wie sollte es anders sein, nach einer Nacht ohne Basalversorgung durch Pumpe und nur mit Actrapid, hatte ich immer noch einen sehr hohen Blutzucker und reichlich Ketone. Jetzt war ich ja aber in guten Händen und es wurde sich ordentlich darum gekümmert. Die Pumpe wurde direkt wieder angelegt und ich habe für die Korrektur erstmal einen Pen mit Novorapid bekommen.

Ein gutes Ende

Die darauffolgenden Tage wurde mein Blutzucker wieder unter Kontrolle gebracht und ich “aufgepäppelt”. Denn das mich das ganze körperlich schon ein wenig mitgenommen hat, brauch ich euch glaube ich nicht erklären. Zwischendrin gab es dann noch eine unerklärliche stärkere Hypo, aber auch in dieser Situation hatte ich gute Hilfe. Dem gesamten Pflegepersonal des zweiten Krankenhauses und vor allem auch der Diabetesberaterin bin ich sehr dankbar. Sie kam sehr oft extra zum Blutzuckermessen zu mir und hat versucht mit mir die Gründe für das ganze Chaos herauszufinden. Dafür bin ich sehr dankbar! Vielleicht liest sie das hier ja und ich kann ihr so noch einmal danke sagen. Dank ihr läuft jetzt alles wieder einigermaßen gut und ich bin sehr froh, dass ich ihre Unterstützung hatte.

Und die Moral von der Geschichte…

Was ich in der letzten Woche auf jeden Fall gelernt habe ist, dass man sich manches Mal bei den Ärzten durchsetzen muss und nicht immer alle Anweisungen befolgen darf. Erst recht dann nicht, wenn man merkt, dass sie einem eher schaden als zu helfen. Sollte mir sowas nochmal passieren, was ich natürlich nicht hoffe, werde ich auf jeden Fall darauf bestehen meine Pumpe angeschlossen zu lassen und sie nicht abzunehmen.

Habt ihr auch schon solche Erfahrungen machen müssen? Wenn ja erzählt doch gerne mal in den Kommentaren davon.

Ich drücke natürlich allen die Daumen, dass ihr niemals in eine so unangenehme Situation kommt.

Liebe Grüße, Toni



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